Artemis - Mondgöttin
griechische Göttin der Jagd, Herrin der Tiere.


Die griechische Göttin Artemis ist ebenso schön wie ihr Zwillingsbruder Apollon, dabei unnahbar, wild und stolz. Sie, die von allen unabhängige, am liebsten frei in den Wäldern und Bergen umherschweifende Herrin der Tiere, Göttin der Jagd, wird stets von ihren edlen Hunden und einer Schar von Mädchen begleitet und meidet jeden engeren Kontakt zu Männern. Lediglich zu ihrem Bruder und vor allem zu Zeus hat sie eine innige, durch keinen Zwist getrübte Beziehung.

Die Göttin der Jagd, der Reinheit und der Tugenden wurde später auch die Mondgöttin, weil sie Selenes Rolle übernahm. Ihr Lieblingstier und Begleiter ist der Hirsch, ihre Attribute Pfeil und Bogen.

Aus natürlichen Gründen gab es eine gewisse Rivalität zwischen Aphrodite und Artemis. Sie führt den Beinamen Kalliste, was "die Schönste" bedeutet, aber sie wird oft mit recht groben, fast männlichen Zügen dargestellt. Sie ist in der gesamten griechischen Welt verehrt worden, aber das Artemision in Ephesos ist der berühmteste Kultort. Artemis entspricht der etruskischen Artumes und der römischen Diana. In Griechenland selbst fand sie Gleichsetzungen mit der Mondgöttin Selene und der chtonischen Hekate.

Vielfach heisst es, ein wesentlicher Charakterzug der Artemis sei ihre Grausamkeit. Diese Behauptung wird Artemis jedoch nicht gerecht. Es stimmt zwar, das sie jagt, tötet und alle Jäger unterstützt, doch wendet sie sich mit aller Entschiedenheit gegen jede Art von Tierquälerei. Ihre eigenen Pfeile sind unfehlbar und bei den Jägern wacht sie mit Argusaugen darüber, daß sie ihre Beute waidgerecht erlegen und ihr anschliessend sofort den Gnadenstoß geben, ja, sie lehrt sogar höchstpersönlich diese Kunst. Jedem, der sich an diese Regeln nicht hält, ergeht es allerdings wirklich schlecht: Ihm wird Gleiches mit Gleichem vergolten.

Damit ist Artemis eine gerechte Göttin. Wenn es sein muß, straft sie, im wesentlichen aber ist sie klar und sauber wie die Quellen, in deren Nähe oft ihre Heiligtümer errichtet wurden. Ebendiesem Bedürfnis nach Reinheit entspringt auch ihr Verlangen, ewig Jungfrau zu bleiben, und die Unerbittlichkeit, mit der sie von allen Mädchen ihres Gefolges dieselbe Keuschheit fordert. Als eine von ihnen, Kalisto, ihr Gelübde brach, sich Zeus hingab und von ihm schwanger wurde, verwandelte Artemis sie zur Strafe in eine Bärin und hätte sie von ihren Hunden zu Tode hetzen lassen, wenn Zeus nicht rasch dazwischengegangen wäre, sie zu sich geholt und später als das bekannte Sternbild an den Himmel versetzt hätte.

Es mag verwundern, daß ausgerechnet eine Jungfrau auch als Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. Aber ebenso, wie sie alle jungen Tiere unter ihre Fittiche nimmt, sorgt Artemis auch getreulich für die kleinen hilflosen Menschenkinder. Deshalb wurde sie auch früher bei Geburten angerufen, damit sie den Schwangeren bei der Entbindung zur Seite stehe. Überhaupt wurde Artemis weit und breit von den Menschen in Tempeln, Festlichkeiten, Chorgesängen und Gedichten verehrt.

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