![]() ![]() Göttin der Nacht Wie Yin zu Yang so verhält sich der Mond zur Sonne. Licht und Dunkel, Tag und Nacht, heiß und kalt, weiblich und männlich, Sonne und Mond sind die sich ergänzenden Kräfte, die das Universum durchdringen und in perfekter, dynamischer Balance halten. Sie stehen in Opposition zueinander und unterwerfen sich abwechselnd gegenseitig. So sehen die Völker das Leben seit grauer Vorzeit. Unsere Vorfahren schauten zum Himmel auf und erkannten die Sonne als Lebensspender, der Licht und Wärme auf die Erde bringt. Sie beobachteten, dass der Mond kein eigenes Licht besaß, sondern das der Sonne aufnahm und reflektierte. Er herrschte über die Nacht, und seinen kalten Strahlen, die das Land in geheimnisvolles Licht tauchten, sprach man magische Kräfte zu. Geburt und Wiedergeburt Während die Sonne als beständiges, goldenes Gestirn gilt, ist der Mond unbeständig. Er nimmt zu und ab und wandelt seine Gestalt vom zarten, silbrigen Splitter zur riesigen, gelben Scheibe, bevor er wieder schrumpft um in die Dunkelheit zu entschwinden. Der ewige Zyklus des Mondes wurde mit dem Wechsel von Geburt, Tod und Wiedergeburt verglichen, der an Aussaat und Ernte, den Jahreszeiten und überall in der Natur beobachtet werden kann. Man erkannte bald, dass die Mondphasen nicht nur mit Wachstum, Zerstörung und neuem Wachstum verbunden sind, sondern such mit dem weiblichen Menstruationszyklus, der Fruchtbarkeit, Empfängnis und Geburt steuert. Und so wie man die lebensspendende Sonne mit den männlichen Grundzügen assoziierte, wurde der Mond, ihr Partner und Lebensempfänger, mit weiblichen Eigenschaften gleichgesetzt. Der Götterstoff Seit frühester Zeit wurden von Völkern und Kulturen aller Erdteile Sonne und Mond als Götter verehrt. Um die verschiedenen Funktionen beider Gestirne entstanden zahllose völkerverbindende Mythen. Ra, Inti, Phoebus, Apollo, Tonatiuh, Kuat und Surya sind nur einige Verkörperungen des Sonnengottes, die von den Völkern des Altertums angebetet wurden. Aber während diese Mythen auf einem einheitlichen Bild des Sonnengottes aufgebaut waren, der seinen flammenden Triumphwagen siegreich über den Mittagshimmel lenkt, erscheint die Mondgöttin in verschiedenen Gestalten, die die drei Hauptphasen in ihrem Zyklus wiederspiegeln. Als Neumond wird sie als Mädchen- oder Jungfrauengestalt beschrieben, eine aufblühende, verführerische Göttin voll erwachender Sexualität. Wenn der Mond zum Vollmond heranwächst, wird er zur fruchtbaren Mutter, die das Leben in sich trägt. In der letzten Phase, bevor der Mond in die Dunkelheit entgleitet, wird er als Hexe oder altes Weib dargestellt, als weise Frau, die sich auf Magie versteht, eine Meisterin der Verkleidung, mit der Kraft, alles, was sie berührt, zu heilen und zu verwandeln. Mystische Dreiheit Diese drei Gesichter der Mondgöttin stellen die Zyklen der Natur dar und verbinden die bewussten, unterbewussten Vorgänge des menschlichen Geistes – unser körperliches, geistiges und emotionales Gesicht. Der Mond ist zum Urbild von Schöpfung, Frausein und weiblicher Psyche geworden. Diese weibliche Dreiheit findet sich in allen Weltreligionen in der einen oder anderen Form. Für die alten Griechen waren Persephone , Demeter und Hekate Schlüsselfiguren, für die Römer waren es Diana, Ceres und Sibylle. In der altnordischen Tradition verwoben die Nornen den Schicksalsfaden von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bei den Hindus verkörpert Kali als „Licht“, „Dunkelheit“ und „Mutter der Erde“ die dreifache Göttin in einer Person. Zu den jungfräulichen Göttinnen, die von verschiedenen Kulturen verehrt wurden, gehören Persephone, Aphrodite, Al-Uzza, Athene, Diana und Minerva. Zu der Muttergöttinnen der Schöpfung und des Vollmondes zählt man Astarte, Demeter, Ceres, Allat, Kwan-Yin, Hathor, Isis, Selene und Wahini-Hai. Der Gruppe der „dunklen“ Göttinnen gehören Kali, Skadi, Hekate, Tlazolteotl, Circe, Hathor, Lilith, die schlangenköpfige Medusa und Nemesis, die Göttin der Vergeltung, an. © ? |